Töpfchentraining - Trocken werden ohne Druck
Töpfchentraining - Trocken werden ohne Druck
Mit der Geburt eines Kindes tauchen zahlreiche neue Themengebiete im Alltag frisch gebackener Eltern auf. Die ersten Wochen und Monate mit Baby drehen sich insbesondere ums Schlafen, Füttern und Wickeln. Ist dann irgendwann ein wenig Routine eingekehrt, steht man auch direkt schon wieder vor den nächsten Fragen und Entwicklungsschritten. Dieser Artikel widmet sich den Themen Töpfchentraining & Trocken werden ohne Druck.
Dabei gehen wir insbesondere auf die Fragen ein:
- Wann ist ein Kind bereit dazu, trocken zu werden?
- Welche verschiedenen Ansätze und Zeitfenster gibt es?
- Wie kann ich mein Kind am besten dabei unterstützen?
Ab wann beginnt man mit dem Töpfchentraining?
Der Abschied vom Windelwechseln ist ein großer Schritt in die Selbstständigkeit der Kinder und sollte von den Erwachsenen liebevoll begleitet werden.
Auch wenn es als Töpfchen-„Training“ bezeichnet wird, ist die wichtigste Regel hier, keine Leistung daraus zu machen oder gar Druck auszuüben.
Wann ein Kind bereit ist, das Töpfchen zu nutzen, ist ganz individuell und hängt von verschiedenen Faktoren ab.
Allgemein wird oftmals angegeben, dass sich zwischen dem 18. und 36. Lebensmonat bei Kindern die Fähigkeit entwickelt, Ausscheidungen selbst zu steuern. Diese Aussage ist nicht ganz richtig, denn Babys verfügen bereits ab Geburt über Schließmuskeln und geben Stuhl und Urin nicht einfach wahllos, sondern sozusagen „nach einem gewissen Plan“ ab. Allerdings müssen Säuglinge noch sehr häufig, da das Füllvolumen von Verdauungstrakt und Blase noch nicht so groß ist, wie bei Erwachsenen oder älteren Kindern. Anfangs betragen die Ausscheidungsfrequenzen zwischen zehn und 20 Minuten und verlängern sich im Laufe der ersten Lebensmonate zu immer längeren Abständen mit einer größer werdenden Ausscheidungsmenge.
Der Grund, warum das Alter beim Trocken werden ab ca. 18 Monaten angegeben wird, ist, dass Kinder zu diesem Zeitpunkt bereits mit ihren Eltern bewusster kommunizieren, Interesse zeigen und auch selbstständiger sind. So können sie sich z.B. mit Hilfe von Gebärdensprache oder auch mit gezielter Wortwahl („Pippi“/„Haufen“) mitteilen und signalisieren, dass sie „mal müssen“ oder entsprechende Handlungsschritte selbst ausführen.
Das erste Lebensjahr ist geprägt von einer extrem rasanten Entwicklung der Kinder - vom hilflosen Neugeborenen zum krabbelnden oder laufenden Kleinkind. Da die meisten Kinder irgendwann nach dem 1. Geburtstag frei laufen, sich setzen und selbstständig ihre Hose herunterziehen können, wird ab diesem Zeitpunkt in den meisten Fällen mit der Einführung eines Töpfchens begonnen.
Wie anfangs bereits erwähnt, ist es wichtig, sich und besonders sein Kind keinem Leistungsdruck dabei auszusetzen. In früheren Erziehungsstilen wurde die Meinung vertreten, Kinder solange auf dem Töpfchen sitzen zu lassen, „bis etwas kommt“ oder man setzte sie einfach dogmatisch zu bestimmten Uhrzeiten auf den Topf. Dabei kann das Kind allerdings nicht auf sein eigenes Körpergefühl hören und entsprechend handeln. Wahrscheinlich wird es dadurch trotzdem irgendwann lernen, „was zu tun ist“, aber eher aus einem Zwang heraus, als durch das Spüren der eigenen Körperfunktionen.
Im schlimmsten Fall riskiert man mit einem durch Druck ausgeübten Training eine Verstopfung beim Kind und das ist alles andere als angenehm.
Wie findet man den richtigen Zeitpunkt heraus, um mit dem Töpfchentraining zu beginnen?
Wann der richtige Zeitpunkt fürs Töpfchentraining gekommen ist, ist individuell und von Kind zu Kind verschieden. Allerdings gibt es einige Anzeichen, auf die du achten kannst, z.B.:
- Dein Kind ist vom Wickeln oder der Windel genervt und empfindet es als störend.
- Es zeigt Neugier und Interesse in Bezug auf die Toilette, indem es dir z.B. ins Bad folgt oder wissen will, was dort passiert.
- Du bemerkst ein verändertes Verhalten deines Kindes vor dem „großen Geschäft“. Es fängt vielleicht an nervös zu tänzeln oder sucht nach einem ruhigeren Ort.
- Dein Kind verfügt über die notwendigen motorischen Fähigkeiten fürs Töpfchentraining und ist bereits ziemlich selbstständig.
Gute und hilfreiche Tipps für den sanften Einstieg ins Töpfchentraining:
- Vorbild sein (Kinder machen den Erwachsenen ja sowieso alles nach :D )
Wenn es für euch als Elternteil, Bezugs- oder Erziehungsperson ok ist, nehmt das Kind beim eigenen Toilettengang gern mit. So kann es sehen, was geschieht und welche Abläufe es gibt oder Fragen stellen.
- Kommunikation
Erklärt eurem Kind alles über das menschliche Ausscheidungsverhalten ohne Scham oder Ekel, sondern als ganz natürlichen Prozess.
- Veranschaulichen & Zeigen
Für Kinder ist erst einmal alles, was für Erwachsene alltäglich ist, neu und sie wissen noch nicht, was passiert, wenn die Blase drückt oder der Darm sich entleert. Außerdem sind sie von Grund auf neugierig und interessiert. Deshalb fasziniert es auch viele Kinder zu sehen, was da überhaupt im Töpfchen oder der Toilette gelandet ist. Vorab kann man ihnen auch mit Hilfe von Bildern und Büchern den Vorgang erklären und veranschaulichen. Vielleicht erfindet ihr auch eine Geschichte dazu und gestaltet den Gang aufs Töpfchen spielerisch.
- Windelfreie Zeiten
Am einfachsten ist dieser Tipp im Sommer oder z.B. im Urlaub in einer warmen Gegend umzusetzen. Lasst euer Kind möglichst viel ohne Windel liegen, strampeln, krabbeln oder laufen. So kann es genau sehen, spüren und erleben was passiert und direkte Verknüpfungen im Gehirn herstellen.
Zu diesem Punkt gibt es zudem zahlreiche Hinweise, dass das Gefühl für die eigenen Ausscheidungen auch beim Wickeln mit Stoffwindeln besser gefördert wird. Im Gegensatz zu Wegwerfwindeln, saugen diese nicht sofort alles ganz schnell auf und das Baby oder Kind spürt die Nässe. Dadurch wird ebenfalls ein sofortiges Feedback über das Geschehen zum Gehirn gesendet und beides kann miteinander in Verbindung gebracht werden.
- Tagsüber beginnen
Da Kinder tagsüber bewusster ihren Harndrang wahrnehmen und kontrollieren können, ist es verständlich, dass das nächtliche Trockenwerden meist etwas länger dauert. Für die Nacht empfiehlt es sich, gerade zu Beginn des Trockenwerdens, nach wie vor noch eine Windel zu verwenden. Sollte diese über einen längeren Zeitraum trocken bleiben, kann sie irgendwann wegbleiben.
- Neutral bleiben
Beim Töpfchentraining und Trocken werden sollte, wie allgemein in der Begleitung der Kinder, weder mit Belohnung noch Bestrafung gearbeitet werden, denn beides kann sich schädlich auf die Entwicklung der Kinder und ihr späteres Leben auswirken.
- Wegwischen, ohne zu schimpfen
Und zu guter Letzt: sollte doch einmal etwas daneben gegangen sein (und das wird es vermutlich), schimpft deshalb nicht mit eurem Kind oder bewertet es negativ. Am besten ihr lächelt einfach, erklärt kurz was passiert ist („Upps, da ging etwas daneben, das kann passieren. Kein Problem.“) und wischt es weg, ohne eine große Szene daraus zu machen.
Töpfchentraining ab 1. Jahr
Wer sein Baby in den ersten Lebensmonaten gut beobachtet, kann vielleicht erkennen, dass es sich zu bestimmten Zeiten bzw. nach bestimmten „Aktivitäten“ erleichtert. Diese sind u.a.:
- wenn das Baby gewickelt (und dabei ausgezogen!) wird, denn es möchte sich nicht bewusst einpullern und dann im Nassen liegen
- nach dem Schlafen
- nach dem Tragen in Tragetuch oder Tragehilfe
- nach körperlicher Aktivität, z.B. nach dem Spielen oder dem Liegen in Bauchlage
- nach dem Stillen/Füttern, denn das regt besonders den Darm an, sodass ein Baby hier oft währenddessen oder kurz danach Stuhlgang hat
- im Tagesverlauf wird die Ausscheidungsmenge außerdem weniger, d.h. morgens und mittags wird mehr Urin abgesetzt als nachmittags/abends
Erkennt man diese Muster, bietet sich bereits ab Tag 1 an, das Baby „abzuhalten“. Dabei wird es mit Unterstützung der Eltern über ein Abhaltetöpfchen gehalten und kann so mit der Zeit lernen, sich hier gezielt zu lösen. Es bietet sich an dabei zusätzlich ein Signalwort zu sagen oder Geräusch zu machen. Alternativ kann auch einfach eine Schüssel genutzt werden, das Waschbecken oder direkt die Toilette. Hauptsache es ist bequem für die Eltern.
Bei dieser Methode lernen Babys schon sehr früh, ihre Ausscheidungen noch für einen kurzen Moment zurückzuhalten. Später klappt das dann auch schon etwas länger. Für Eltern ist es besonders schön, schon so zeitig ein Verständnis für ihr Baby zu entwickeln und die Zeichen zuverlässig zu deuten und darauf reagieren zu können.
Es gibt durchaus Babys, die mit Abhalten schon im ersten Lebensjahr trocken werden können. Dieses Töpfchentraining bedarf aber stets der Unterstützung ihrer Bindungsperson(en), da ihre motorischen Fähigkeiten noch nicht weit genug ausgeprägt sind.
Ein weiterer wichtiger Aspekt in Sachen Töpfchentraining & Trocken werden ist, dass es immer sowohl Fortschritte, als auch Rückschritte geben kann. Gerade im ersten Lebensjahr können Babys schnell überrumpelt sein von all den neuen Dingen, die in ihrem Leben passieren. Die rasanten Lern- und Entwicklungsfortschritte sorgen dafür, dass bereits Gelerntes für einen gewissen Zeitraum "vergessen" wird, weil sich parallel andere Fähigkeiten entwickeln. Das soll aber nicht heißen, dass Baby oder Eltern dann wieder von vorne anfangen müssen, sondern ganz einfach, dass die Fähigkeit wiederkommt, sobald nicht mehr so viel auf sie herein prasselt.
Zudem gibt es Unterschiede, was die Jahreszeiten angeht, die einen Einfluss auf den Zeitpunkt des Trockenwerdens haben können. Im Sommer oder einem warmen Klima ist es schlichtweg leichter, ein Baby öfter einmal windelfrei zu lassen, als im Winter, wenn es sehr kalt ist und mehrere Kleidungsschichten benötigt werden und sich das An- und Ausziehen dementsprechend zeitaufwendig gestaltet.
Wenn du windelfrei oder abhalten ausprobieren möchte, solltest du im Allgemeinen darauf achten, dass du es dir der Kleidung nicht zu kompliziert machst, sodass das Ausziehen möglichst schnell geschehen kann. Es gibt auch spezielle Abhaltewindeln oder -höschen, die man dafür nutzen könnte.
Töpfchentraining nach Montessori
Bei dieser Art Töpfchentraining steht das natürliche Interesse des Kindes im Vordergrund und es geht viel mehr um eine Begleitung des Sauberwerdens.
Als Eltern(teil) oder Bindungsperson nimmst du dabei eine beobachtende Rolle ein und reagierst auf dein Kind, indem du liebevoll Unterstützung anbietest, wenn diese gebraucht wird. Die Umgebung bei der Sauberkeitsbegleitung nach Montessori ist bereits soweit auf das Kind angepasst und vorbereitet, dass die Selbstständigkeit im besten Sinne gefördert wird und es nur wenig "Eingriffe" von den erwachsenen Personen bedarf.
Der grundlegende Unterschied zwischen Töpfchentraining nach Montessori und anderen Arten des Trockenwerdens besteht darin, dass dieses erst beginnt, wenn das Kind selbst aktiv daran mitwirken kann und Interesse zeigt. Es orientiert sich also am selbstständigen Lernen des Kindes und dessen Eigenmotivation.
Wichtig beim Töpfchentraining nach Montessori sind:
- Respekt: das Kind bestimmt das individuelle Tempo
- Aufmerksamkeit: wer sein Kind aufmerksam beobachtet, erkennt, wann es Interesse am Töpfchentraining zeigt und wo es Unterstützung braucht
- Vorbereitung: die Umgebung ist an die Bedürfnisse des Kindes angepasst (gut erreichbares Töpfchen, einfache Kleidung zum Selbstausziehen, kindgerechte Badezimmereinrichtung)
-
Geduld und Vertrauen: entspannt bleiben und auf die individuelle Entwicklung der Kinder vertrauen
Töpfchentraining ab 6 Monate
Dieser Ansatz des Töpfchentraining beginnt ab dem Zeitpunkt an dem Babys bereits eigenständig sitzen können.
Um den sechsten Monat ist das meist bereits der Fall. Wie schon weiter oben im Artikel beschrieben, können Eltern, die ihr Kind gut beobachten, Zeichen deuten und es dann im entsprechenden Moment aufs Töpfchen setzen, sodass es sich hier lösen kann.
Es handelt sich bei diesem Zeitpunkt des Tröpfchentraining um ein Trockenwerden mit Unterstützung, da die Fähigkeit selbstständig zum Töpfchen oder ins Badezimmer zu gehen und sich alleine hinzusetzen ja noch fehlt. Allerdings bilden sich dadurch bereits die entsprechenden Verknüpfungen im Gehirn und diese können zu späteren Zeiten noch um das selbstständige Laufen, Hose herunterziehen und sich hinsetzen erweitert werden.
Töpfchentraining Plan - "How To Töpfchen"
Zusammengefasst folgen nun einige wichtige Hinweise, Anhaltspunkte und Empfehlungen für den Beginn und die Umsetzung des Töpfchentrainings:
- Töpfchentraining sollte als individueller Entwicklungsprozess verstanden werden, bei dem die Reifezeichen und individuellen Entwicklungsphasen des Kindes berücksichtigt werden.
- Es gilt, dem Kind Raum zu geben, Fehler zu verzeihen, sowie Fort- als auch Rückschritte zu akzeptieren.
- Beim Töpfchentraining sollte kein Zwang entstehen oder Druck auf das Kind ausgeübt werden.
- Es geht darum, die kindliche Entwicklung zu fördern und unterstützen.
- Für die Umsetzung empfiehlt sich die Verwendung eines kindgerechten Töpfchens (z.B. von Kindsgut). Später kann man einen speziellen Toilettensitz für Kinder verwenden und ggf. einen Tritthocker oder kleine Treppe vor die Toilette stellen, sodass diese selbstständig erreicht werden kann.
- Die Kleidung des Kindes sollte entsprechend einfach gewählt werden (keine komplizierten Bodys oder Hosen mit Knöpfen, etc.).
- Unterschied von tagsüber trocken und nachts trocken beachten.
- Am wichtigsten ist es, entspannt und flexibel zu bleiben. :)
Empfehlungen: Bücher fürs Töpfchentraining
Um Kinder an das Töpfchentraining heranzuführen, gibt es zahlreiche Bücher mit Geschichten, bunten Bildern und Illustrationen. Diese helfen dabei, die Vorgänge zu veranschaulichen und vermitteln kindgerecht was passiert.
Empfehlenswerte Bücher fürs Töpfchentraining sind z.B.:
- “Was hast du in deiner Windel?” von Sandra Grimm & Sabine Kraushaar
- “Alle müssen mal aufs Klo” von Katie Daynes
- LESEMAUS: Conni geht aufs Töpfchen
und als Lektüre für Eltern, Bindungs- und Erziehungspersonen können wir außerdem die Bücher von Nicola Schmidt empfehlen:
- “artgerecht - Das andere Babybuch”
- “artgerecht - Das andere Kleinkinderbuch”
Spezielle Windel fürs Töpfchentraining?
Um den Einstieg ins Töpfchentraining zu erleichtern und gleichzeitig zu verhindern, dass doch einmal ein (großes) Malheur passiert, gibt es spezielle Höschenwindeln fürs Töpfchentraining oder Trainingshosen. Diese verfügen, ähnlich wie Windeln, über Saugmaterial, nur ist dieses nicht ganz so saugstark. Es gibt sie sowohl als Einweg-Windelhöschen, als auch aus Stoff. Sie können während der Trainingsphase, sozusagen als Back-up, falls doch noch einmal etwas daneben geht, genutzt werden und müssen danach direkt gewechselt werden.
Alternativ eignet sich auch einfach die Kombination aus einer normalen Unterhose und einer auslaufsicheren Überhose (z.B. unsere Onesize-Überhosen) darüber zum "Schutz" der restlichen Kleidung. Vorteil hierbei ist, wenn man sowieso schon mit Stoffwindeln gewickelt hat, dass es keine Extra-Anschaffung benötigt.
Wann werden Kinder trocken? Das sagt die Statistik:
Statistisch gesehen werden die meisten Kinder während der Zeit um ihren 2. Geburtstag herum trocken. Es gibt allerdings einige Unterschiede, was die Dauer und den Zeitpunkt des Trockenwerdens angeht.
Wie bereits im Text erwähnt, unterscheidet man auch zwischen dem alleinigen bzw. selbstständigen Trockenwerden und dem Trockenwerden mit Hilfe. Windelfrei Kinder können hierbei beispielsweise schon zwischen dem 5. bis 8. Monat trocken werden, vorausgesetzt ihre Bindungsperson(en) reagieren auf ihre Signale.
Verfügen Kinder über die entsprechenden motorische Fähigkeiten, werden sie im Schnitt zwischen 21 und 24 Monaten selbstständig trocken.
Spätestens mit 28 Monaten ist ein Großteil der Kinder bereits tagsüber trocken und mit 33 Monaten auch nachts. Es zeigt sich außerdem, dass Mädchen in der Regel etwas früher trocken sind, etwa zwei bis drei Monate, als Jungs. Allerdings gibt es auch Kinder, die erst zu einem späteren Zeitpunkt, etwa zwischen dem 4. und 5. Geburtstag komplett auf Windeln verzichten können.
Auffallend ist, dass Kinder, die mit Stoffwindeln gewickelt werden meist früher trocken sind, als Kinder, die Wegwerfwindeln tragen. Grund hierfür ist das direkte Nässefeedback. Anders als bei Wegwerfwindeln, die mit saugstarken Superabsorbern ausgestattet sind und sich dadurch durchgehend trocken anfühlen, merken Stoffwindel-Kinder sofort, wenn es nass wird. Durch dieses Gefühl entsteht eine Verknüpfung im Gehirn, die wichtig ist, für den Lernprozess beim Trocken werden. Außerdem fühlt sich eine nasse Windel nicht gut an und das soll sie auch nicht. Menschen sind von Natur aus keine Nestbeschmutzer, denn evolutionsbedingt hätte der Geruch von Urin oder Stuhl potentielle Fressfeinde angezogen. Auch Babys wollen ihre Bezugspersonen nicht beschmutzen und pullern deshalb z.B. insbesondere nach dem Tragen in einer Tragehilfe. Durch die Windel wird dieser natürliche Instinkt oftmals abtrainiert... nur um dann etwas später mit Hilfe des Töpfchentrainings wieder antrainiert zu werden.
Eltern, die mit Stoff wickeln, haben zudem meistens ein besseres Verständnis für die Ausscheidungen ihres Kindes, da die Stoffwindel "mehr Informationen" bereithält. So können Eltern oder Bindungspersonen u.a. feststellen, wann das Kind viel Urin ausscheidet und wann nicht oder sehen direkt, falls sich etwas an Farbe oder Häufigkeit ändert. Dadurch können sie ihre Kinder bestmöglich beim Töpfchentraining unterstützen, indem sie zu günstigen Zeitpunkten "den Gang aufs Töpfchen" begleiten.
Fazit: Töpfchentraining & Trocken werden
Der Zeitpunkt des Trockenwerdens ist so individuell wie die Entwicklung der Kinder. Es gibt grobe Zeitfenster, die als Orientierung dienen sowie verschiedene Ansätze für das Töpfchentraining. In jedem Fall sollte es aber von den Erwachsenen liebevoll begleitet werden, ohne Druck auszuüben oder einen bestimmten Zeitpunkt als Ziel anzustreben. Fort- als auch Rückschritte gehören, egal für welche Art des Töpfchentrainings man sich entscheidet, dazu.
Um das natürliche Interesse des Kindes für das Trockenwerden zu unterstützen und fördern, empfiehlt es sich verschiedene "Methoden als kleine Hilfsmittel" auszuprobieren, z.B. Windelfrei, Abhalten oder auch das Wickeln mit Stoffwindeln. Wer sein Kind gut kennt, beobachtet und auf dessen Bedürfnisse eingeht, kann eine tolle Stütze in der Entwicklung während der sensiblen Phase des Trockenwerdens sein.